Projeto Dorcas in Bonfim in Brasilien - 2017
Geschrieben von Simone

Projeto DorcasEs ist kaum nicht zu glauben, wie schnell die Zeit in Brasilien verflogen ist. Nach 4 Wochen in Curitiba ist der Abschied vom Dorcas und den Menschen, die man kennenlernen durfte, sehr emotional. Die schönen Erfahrungen der letzten Wochen, die Gastfreundschaft und die Fröhlichkeit haben mein Herz gefüllt und sehr gerne möchte ich an dieser Stelle von meinen Erfahrungen in Curitiba berichten.

Vorfreude auf das Unerwartete

CopiaMeine Erwartungen vor dem Austausch waren gering. Ich freute mich vielmehr auf das „Unerwartete“. Gerade die ersten Tage waren hierbei eine spannende Herausforderung. Einerseits bei Menschen zu leben, die man zunächst gar nicht kennt. Andererseits in einem Projekt mitzuarbeiten, dessen Struktur und Konzept ein anderes ist, als in den Hamburger Kitas.

Die Sprache war glücklicherweise nur kurzzeitig eine Hemmschwelle. Die Kinder kamen offen und fröhlich auf uns zu, fragten uns viel und versuchten uns stets mit einzubeziehen. Mit viel Geduld versuchten sie uns portugiesische Wörter beizubringen und uns ihre Spiele zu erklären.

In der Fremde

Bilder aus HamburgMitgenommen habe ich hierbei das vorher vielfach benannte „Fremdheitsgefühl“. Dies ertappte einen mal hier mal und mal dort. Vor allem wenn man merkt, dass man sprachlich nicht fähig ist, Abläufe und Absprachen sofort zu verstehen, ist es zunächst ein komisches Gefühl.

Hierbei habe ich vor allem gemerkt, wie erleichternd es ist, wenn der Mensch gegenüber herzlich auf die Kommunikationshindernisse reagiert und mit viel Geduld, Händen und Füßen und oftmals auch mit der letzten Hilfe vom Google Translator eine Verständigungsbasis schafft.

Teamwork ganz groß

Dorcas 0224Für meine tägliche Arbeit konnte ich mir einiges aus dem Projeto mitnehmen.

Das Besondere am Projeto Dorcas ist das multiprofessionelle Team. Neben der Leitung und ihrer Stellvertretung arbeiten dort mehrere Musiklehrer*innen, Theolog*innen, eine Sozialarbeiterin, Hauswirtschaftskräfte, eine Friseurin, ein Arzt (1x pro Woche) und einige Praktikant*Innen.

Aufgrund der Größe des Teams und der wenigen Zeitressourcen könnte man vermuten, dass die Absprachen schwierig sind und ggf. nicht gut funktionieren. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Es scheint, als wisse jeder, wann was zu tun ist, denn die Abläufe funktionieren fließend. Auch bei Krankheit von Mitarbeiter*innen werden schnell und unkompliziert Lösungen gefunden.

Ein fröhliches Team

Dorcas 0207Darüber hinaus ist die Stimmung im Team fröhlich und ausgelassen. Die gemeinsamen Andachten am Morgen scheinen allen viel Energie und Kraft für die Arbeit mit auf den Weg zu geben. Was mich besonders beeindruckt, war die Einstellung der Leitung zu Ihrem Team. Darclê scheint die Stärken und die Schwächen ihrer Mitarbeiter*innen genau im Blick zu haben und stellt auch dementsprechend Ihre Erwartungen.

Beispielsweise hat ein Mitarbeiter morgens Probleme pünktlich zu kommen. Das nimmt sie lachend in Kauf, holt ihn zum Teil sogar noch von der Bushaltestelle ab und erklärt dies: „Ach, ich will ja mit ihm schimpfen. Aber er ist so nett und so lieb. Da schaff ich es einfach nicht. Und wenn er da ist, dann ist die Stimmung immer gut!“.

Zeit für Mitarbeiter

Der positive Blick auf den Kompetenzen des Mitarbeiters überwiegt und machen eine gute Zusammenarbeit möglich. Außerdem nimmt sie sich viel Zeit für Einzelgespräche, um zu erkennen, welche Themen das Team beschäftigen und welche Hilfe sie ggf. brauchen, um diese zu bewältigen.

Das ist ein Punkt, an dem ich gerne hier weiterarbeiten möchte. Zum einen hat es mich sehr beeindruckt, dass trotz der Größe und der sehr unterschiedlichen Professionen der Mitarbeiter*innen und den in der Relation wenigen Teambesprechungen, die Abläufe und Aufgabenverteilung klar waren.

Das möchte ich ebenso in meiner Einrichtung überprüfen und schauen welche Strukturen ggf. möglich und nötig sind um Abläufe zu vereinfachen und deutlicher zu machen. Auch die positive und ressourcenorientierte Blick dem Team gegenüber, möchte ich mehr in den Fokus nehmen.

Die Kinder im Blick

Projeto Dorcas AussengelaendeDie Stimmung im Team spiegelte sich zudem stark auf die Atmosphäre im Haus wieder. Der Umgang mit den Kindern ist fröhlich und ausgelassen. Auch wenn es mal turbulent oder laut wird, reagieren alle gelassen, aber konsequent. Falls einer mal doch über die Stränge schlägt, wird eher das Einzelgespräch mit dem Kind gesucht.

Die Mitarbeiter*innen kennen die Situation der einzelnen Kinder gut und können sich auch dementsprechend auf diese einstellen. Außerdem geben sie viel Raum und Möglichkeiten den Kindern zu zuhören und sie mitentscheiden zu lassen.

Musik bildet einen Rahmen

Dorcas 0257Den Gegenfokus bilden die musikalischen Einheiten. Hier sind die Regeln strenger und deutlicher. Die Kinder spielen in festen Gruppen bei festen Musiklehrern. Das Tempo ist hier schneller und „Quatsch machen“ wird nicht so locker genommen. Die Lehrer*innen berichten uns, dass dies im Rahmen der Musik sehr wichtig sei, damit die Kinder feste Abläufe kennen- und respektieren lernen.

Kindern Perspektiven geben

Dorcas 0259Die Geschichten der Kinder haben uns jedoch auch sehr bewegt und die Besuche in der Favela waren zum einen spannend und zum anderen sehr wichtig, um die Lebenswelt der Kinder kennenzulernen.

Dies gab mir auch nochmals ein anderes Gefühl für das Thema Kinderschutz und zeigt mir ebenso, dass wir schon auf dem Weg sind gute Verfahrensweisen zu entwickeln und eine hohe Sensibilität zu dem Thema mitbringen. Auch wenn die Herausforderungen so groß erscheinen, gefällt mir die Herangehensweise vom Dorcas.

Möglichkeiten und Chancen

Der Fokus ist zukunftsorientiert und soll den Kindern Perspektiven ermöglichen. Durch verschiedene Projekte und Aktionen (z.B. Besuch einer Firma in Curitiba, Herstellen und Verkauf von Gegenständen) möchten die Mitarbeiter*innen dazu sensibilisieren, dass es viele Möglichkeiten und Chancen für die Kinder gibt und sie motivieren „am Ball zu bleiben“.

Außerdem wird ebenso versucht die Eltern mit ins Boot zu holen. Einmal pro Woche gibt es einen Info-Abend zu unterschiedlichen Themen. Um eine Verbindlichkeit herzustellen, sind die Eltern dazu verpflichtet einmal wöchentlich persönlich die Kinder abzuholen. So soll der Kontakt und der Austausch zwischen dem Team und den Eltern verbessert werden und die Eltern sollen mitbekommen, was ihre Kinder in dem Projekt machen.

Austausch im Austausch

WeltkarteEin großer Pluspunkt des Austausches ist, dass man die Chance bekommt Menschen vor Ort und ihre Lebenswelten kennenzulernen. In den vielen Gesprächen konnten wir einiges über das Land und die Situation erfahren und bekamen natürlich auch jede Menge Tipps und Tricks.

Die erste Woche wohnten wir jeweils bei einem Mitarbeiter vom Dorcas. Für die letzten drei Wochen hatten wir dann ein Zimmer in der FATEV, der theologischen Universität Curitiba. Die Nachmittage nach dem Dorcas verbrachten wir teilweise mit den Mitarbeiter*innen, teilweise erkundeten wir Curitiba auf eigene Faust.

Das der Austausch immer zu zweit angeboten wird, ist durchaus sinnvoll, da man so die Gelegenheit bekommt Dinge direkt zu besprechen, sich auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Zurück im Kita-Alltag

ElphiNach meiner Rückkehr war es zunächst seltsam wieder in den Kita-Alltag einzusteigen. Vor allem wurde mir spätestens da wieder bewusst, wie konträr mein beruflicher Alltag zu dem im Dorcas ist.

Es ging wieder los mit Baum-, Legionellen Prüfung und Fragen, wie „Welcher Erste-Hilfe-Kasten ist eigentlich der Richtige?“.

Planerisch starteten wir wieder mit dem Erntedankfest, Elternabend und den 4,5-jährigen Gesprächen. Durchaus berechtigte Fragen und Themen. Jedoch möchte ich fortan versuchen den immer wiederkehrenden Themen weniger Raum und Zeit zu geben, sondern den Fokus eher ressourcenorientiert auf das Team, die Kinder und ihre Familien zu richten.

Abschließend möchte ich sagen, dass die Zeit in Brasilien für mich wirklich „Ottimo“ und eine riesengroße Bereicherung war und ich den Austausch nur empfehlen kann.

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